Stolperstein für Adolf Freudenberg

Adolf Freudenberg Portraitfotografie
Adolf Freudenberg

von Heinz Keller

Alle Beiträge in diesem Zeitungsarchiv sind erstmals in den Weinheimer Nachrichten erschienen. Die Veröffentlichung auf der Internetseite des Weinheimer Museums erfolgt mit der Zustimmung der DiesbachMedien GmbH.

Eine wichtige Quelle für die Brändle-Dokumentation war das Buch „Rettet sie doch! Franzosen und die Genfer Oekumene im Dienst der Verfolgten des Dritten Reiches”, das Adolf Freudenberg 1969 im Evangelischen Verlag Zürich herausgegeben hat.

Adolf Freudenberg

Dr. Adolf Emil Freudenberg (1894-1977), jüngerer Bruder von Hans und Richard Freudenberg und Vater von Hermann Freudenberg, musste 1934 der jüdischen Abstammung seiner Frau Elsa Liefmann wegen aus dem Auswärtigen Dienst ausscheiden, studierte dann Theologie an der Kirchlichen Hochschule Bethel der Bekennenden Kirche, wurde verhaftet und erhielt Studienverbot in Deutschland. Freudenberg beendete seine Studien in Bethel. Nach der Ordination emigrierte er zunächst nach London, dann nach Genf. 1939 übertrug ihm der Oekumenische Rat der Kirchen den Aufbau seines Flüchtlingswerks. Mehrfach war Dietrich Bonhoeffer bei seinen konspirativen Reisen nach Genf Gast bei Adolf Freudenberg. Durch Freudenbergs Vermittlung wurde den mit der Wagner-Bürckel-Aktion in Freiburg verhafteten, im Lager Gurs unter primitivsten Bedingungen vegetierenden Verwandten seiner Frau, dem weltweit geschätzten Nationalökonomen Professor Robert Liefmann und seinen Schwestern Else und Martha, im Februar 1941 ein Erholungsurlaub zugestanden, den der sterbenskranke Professor nicht überlebte. Besonders tragisch ist, dass Liefmann durch die Bemühungen der Universität New York wenig später hätte ausreisen können. Den Schwestern gelang das.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1947 lehnte Adolf Freudenberg alle Angebote, in den diplomatischen Dienst zurückzukehren, ab. Stattdessen setzte er als Pfarrer der Heilig-Geist-Kirche in Bad Vilbel seine Mission fort, sich um Flüchtlinge und Vertriebene zu kümmern. 1964 wurde Dr. Adolf Freudenberg Ehrenbürger von Bad Vilbel, 2021 erhielt eine innerstädtische Station auf dem Vilbelsteig den Namen Freudenberg-Anlage.

Mit dem Briefwechsel zwischen ihren Großeltern Adolf und Elsa Freudenberg und dem Cousin und den Cousinen im Lager Gurs hat Dr. Dorothee Freudenberg, Tochter von Gisela und Hermann Freudenberg, zu dem Buch „Abgeschoben: jüdische Schicksale aus Freiburg 1940-1942” beigetragen.

Für Adolf Freudenberg wurde 2021 vor dem ehemaligen deutschen Außenministerium in Berlin-Mitte ein Stolperstein verlegt.

Stolperstein für Adolf Freudenberg

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