Edgar Basel: kleiner Mann mit großem Kämpferherzen

Drei Boxer bei der Siegerehrung.
Siegerehrung beim Olympischen Boxturnier 1952 in Helsinki.

von Heinz Keller

Alle Beiträge in diesem Zeitungsarchiv sind erstmals in den Weinheimer Nachrichten erschienen. Die Veröffentlichung auf der Internetseite des Weinheimer Museums erfolgt mit der Zustimmung der DiesbachMedien GmbH.

„Goldene Hoffnung blieb unerfüllt” titelten die „Weinheimer Nachrichten” am 4. August 1952 ihre tägliche Olympia-Seite aus Helsinki, wo deutsche Sportler zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg wieder an Olympischen Spielen teilnehmen durften. Sie kamen allesamt aus Westdeutschland, nicht aus der DDR, dessen Nationales Olympisches Komitee (NOK) das Internationale Olympische Komitee (IOC) nicht anerkannte, und nicht aus dem Saarland, das als französisches Protektorat mit einer eigenen Olympiamannschaft antrat.

Zu den Medaillen-Hoffnungen unter den 205 westdeutschen Olympiateilnehmern zählte der 21-jährige Boxer Edgar Basel vom AC 92 Weinheim. Er startete im Fliegengewicht (bis 51 Kilogramm Körpergewicht), hatte gerade zum zweiten Mal nacheinander die Deutsche Meisterschaft gewonnen und boxte ein erfolgreiches Turnier in Helsinki: klarer Punktsieg gegen den polnischen Meister Henryk Kukier zum Auftakt, technischer k.o gegen den Norweger Torbjen Clausen im Viertelfinale und knapper Punktsieg gegen den Sowjetrussen Anatoli Bulakow im Halbfinale.

Im Finale am 2. August 1952 traf Basel auf den 19-jährigen Amerikaner Nathan Brooks. Ganz Deutschland drückte dem Weinheimer die Daumen in der Hoffnung auf die erste Goldmedaille – sie wäre am Ende die einzige gewesen neben sechs Silber- und 17 Bronzemedaillen und Platz 28 im Medaillenspiegel. Es nützte nichts: „Kleiner Edgar mit großem Kämpferherz” lobten die internationalen Boxexperten den in der Körpergröße und damit auch in der Reichweite unterlegenen Weinheimer, der lange wie der Sieger aussah, ehe er zu Beginn der 3. Runde in eine Gerade des Amerikaners lief und kurz zu Boden ging, was die Punktrichter offenbar so stark beeindruckte, dass sie Brooks einen klaren 3:0-Punktsieg zusprachen, der viele Kampfbeobachter überraschte.

Edgar Basel hat diesen Finalkampf später im Telegrammstil so geschildert: „Der Amerikaner hat mir den Frack gegerbt. Ich konnte die beiden ersten Runden knapp gewinnen, in der dritten aber bin ich ein so blödes Ding reingerannt und weg war die Goldmedaille. Und dabei hätte ich doch so gern das Deutschland-Lied gehört”.

Sein Ziel, „uffs Treppsche” zu kommen, hatte Edgar Basel erreicht und dafür bereiteten ihm Tausende, die fünf Tage zuvor bei der Rundfunkübertragung – Fernsehen gab’s noch nicht – mitgefiebert hatten, am 7. August 1952 einen triumphalen Empfang in der Heimat. Die WN widmeten Basel eine Sonderseite.

© www.wnoz.de

Sonderseite der Weinheimer Nachrichten.
Die Weinheimer Nachrichten widmeten Basel eine Sonderseite
 

Sign up