Hoffmann von Fallersleben: Dichter des Deutschlandlieds in Weinheim

von Heinz Keller
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Am 26. August 1841 schrieb der Germanist und freiheitlich-patriotische Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) auf der damals noch zu Großbritannien gehörenden Nordseeinsel Helgoland das „Lied der Deutschen” nieder und unterlegte den Text mit der Melodie der „Kaiserhymne” von Josef Haydn („Gott erhalte Franz, den Kaiser”). 1922 wurde das Deutschland-Lied Nationalhymne der Weimarer Republik, ab 1933 wurde der Text von den National-sozialisten im Sinne ihres Herrschaftsanspruchs und ihrer Expansionspolitik ausgelegt, seit 1991 ist die dritte Strophe offizielle Nationalhymne im wiedervereinigten Deutschland.
Am 24. September 1843 besuchte Hoffmann von Fallersleben zusammen mit dem Mannheimer Hofgerichts-Advokaten Dr. Friedrich Hecker, von 1842 bis 1847 Abgeordneter des Wahlkreises Weinheim im Badischen Landtag, sowie den Freiheitskämpfern Itzstein und Soiron die politischen Freunde in Weinheim. Zur Erinnerung daran hat der Gemeinnützige Verein Weinheim 1931 am Haus gegenüber der Gaststätte „Zur Burg Windeck” im Müll eine Gedenktafel angebracht.
Hoffmann hatte in Mannheim zahlreiche politische Freunde. 1843 erlebte er in der festlich geschmückten Stadt das 25-jährige Jubiläum der badischen Verfassung und dichtete dazu ein Festlied auf den blühenden Baum im Lande Baden mit seinen Früchten Gesetz und Recht, Gemeinsinn und Bürgertugend. Nach einer Reise ins badische Oberland kehrte er im September nach Mannheim zurück und fuhr am 24. September mit seinen Freunden herüber nach Weinheim.
Über seinen Aufenthalt in Weinheim schrieb der 1842 seiner „Unpolitischen Lieder” wegen von der Universität Breslau und aus Preußen ausgewiesene Professor der deutschen Sprache und Literatur in sein Tagebuch: „Die Bürger von Weinheim hatten uns zum Sonntag zu sich eingeladen. Frühmorgens bei heiterem Wetter fuhren wir hinüber. Wir wurden festlich empfangen und in den Gartensaal bei Härter am Berg geführt. Der Saal war reich geschmückt, an der Wand prangte, aus Georginen (Dahlien) und Astern gebildet, der Empfangsgruß `Willkommen Volksfreunde´. Es begann ein großes Mittagsmahl mit Reden, Trinksprüchen und Gesang. Ich sang manches Lied und es wird mir manches Hoch gebracht. Nach Tisch kam der `Liederkranz´ (gemeint ist wohl der Singverein 1842 Weinheim, der damals einzige Gesangverein der Stadt). Alles strömt in den Saal, um zu sehen, nur mit Mühe können wir unsere Abfahrt bewerkstelligen. Unter lautem Jubel fahren wir zum Ort hinaus”.
In Mannheim ist der Dichter auch in den folgenden Jahren öfter gewesen. Wenig angenehm waren für ihn allerdings die Septembertage 1847, als er vom großherzoglichen Stadtamt angewiesen wurde, innerhalb von 24 Stunden das Großherzogtum Baden zu verlassen. Die Ausweisung wurde allerdings vom Ministerium in Karlsruhe rückgängig gemacht. Sturmtage des politischen Lebens durchlebte Hoffmann im Mai 1849 in Mannheim, als sich Baden im Aufstand befand.
Angenehme Tage dagegen verbrachte Hoffmann von Mannheim aus wiederholt in der Pfalz und besonders gern weilte er in Heidelberg, wo er mit der jungen, gebildeten Johanna Kapp, Tochter des Philosophie-Professors und Hofrats Kapp, glückliche Tage erlebte. Daran erinnern seine 115 Johanna-Lieder, die Hoffmann von Fallersleben der Nachwelt im Gedenken an sein kurzes Heidelberger Liebesglück hinterlassen hat.
In Weinheim war Hoffmann von Fallersleben zu Gast bei Friedrich Härter (1802-1867), Besitzer des Gasthauses „Zur Burg Windeck”, 1848 Vorsitzender des Demokratischen Volksvereins, am 18. Mai 1849 von der Revolutionsregierung zum Zivilkommissär für den Amtsbezirk Weinheim ernannt, am 15. Juni 1849 auf der Flucht vor den in Weinheim einrückenden Reichstruppen. 1851 stellte sich Härter den Behörden. 1852 wurde er vom Badischen Hofgericht in Mannheim wegen des Anschlags auf die Eisenbahnlinie Frankfurt-Heidelberg 1848 bei Weinheim zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Härters Grabstein steht im Alten Friedhof in unmittelbarer Nachbarschaft zur Peterskirche.
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