Georg Friedrich Vogler

von Heinz Keller

Alle Beiträge in diesem Zeitungsarchiv sind erstmals in den Weinheimer Nachrichten erschienen. Die Veröffentlichung auf der Internetseite des Weinheimer Museums erfolgt mit der Zustimmung der DiesbachMedien GmbH.

„Der Rat der Stadtgemeinde Weinheim verleiht in herzlicher Dankbarkeit und Verehrung das Ehrenbürgerrecht an Herrn Gemeinderat Georg Friedrich Vogler II., welcher während nahezu 28 Jahren durch sein verdienstvolles Wirken als Rat seiner Vaterstadt, davon 18 Jahre lang als Bürgermeister-Stellvertreter, helfend und gestaltend ihre Geschicke mitgeleitet, im letzteren Amte auch während der schweren Kriegszeit in treuester Pflichterfüllung de Dienstgeschäfte für den zum Kriegsdienst eingezogenen und gefangenen Bürgermeister geführt hat”. Das war am 8. Februar 1922 die Begründung für die Auszeichnung eines verdienstvollen Kommunalpolitikers mit der höchsten Auszeichnung, die die Stadt Weinheim zu vergeben hat. Dem Landwirt Georg Friedrich Vogler wurde sie an seinem 75. Geburtstag zuteil. Doch erst am 17. Juni 1923, mehr als ein Jahr nach dem einstimmigen Gemeinderatsbeschluss, konnte Bürgermeister Josef Huegel dem Ehrenbürger die Urkunde überreichen.

Dem Stadtoberhaupt war die Verzögerung peinlich und Huegel machte beim Besuch im Haus Vogler in der Alten Postgasse auch keinen Hehl aus seiner Enttäuschung: die Firma Heinrich Pfannstiel (Weimar)hatte mit dem Ende des Kaiserreichs nicht nur den Titel des Großherzoglich Hoflieferanten in Sachsen-Weimar-Eisenach verloren, sondern offenbar auch einiges von dem einfallsreichen Schwung, der sie bis zum Kriegsausbruch auch im badischen Weinheim zum bevorzugten Fertiger kunstvoll gestalteter Ehrenurkunden gemacht hatte. Im Laufe des Jahres 1922 jedenfalls fiel den Weimarer „Werkstätten für künstlerische Lederarbeiten und Wappenmalerei” – so der Briefkopf des Unternehmens – zum Thema Weinheimer Ehrenbürger nichts Rechtes ein. Deshalb bat der verärgerte Weinheimer Gemeinderat im Januar 1923 den einheimischen Maler Carl Nagel, sich Gedanken zu machen über die Gestaltung des Ehrenbürgerbriefs für Georg Friedrich Vogler. Das Ergebnis dieses Nachdenkens überreichten Bürgermeister Huegel und die ihn begleitenden Vertreter des Gemeinderats am 17. Juni 1923. Der Preis des Ehrenbürgerbriefs war inzwischen von Pfannenstiels 2.300 Mark Kostenvoranschlag auf inflationäre 70.000 Mark gestiegen.

Zwei Jahre später wurde Georg Friedrich Vogler von Nagel gemalt – für 250 Reichsmark. Das Ölgemälde hängt heute im Bürgersaal des Schlosses und erinnert auch in seiner Komposition an einen Mann, der sein Leben in den Dienst der Heimatstadt stellte.

1890 wurde der am 8. Februar 1847 geborene Georg Friedrich Vogler II. erstmals in den Bürgerausschuss gewählt, 1894 erstmals in den Gemeinderat, dem er bis 1922 angehörte. Zwischen 1905 und 1919 war Vogler Bürgermeister-Stellvertreter und diese Wahl berief ihn beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs an die Spitze der Stadtverwaltung, als Bürgermeister Dr. Karl Alexander Wettstein eingezogen wurde und noch im ersten Kriegsjahr in französische Kriegsgefangenschaft geriet. Erst 1917 kehrte der schwer verwundete Bürgermeister nach Weinheim zurück.

1922 verzichtete der inzwischen 75-jährige G. F. Vogler auf eine erneute Kandidatur zum Gemeinderat, blieb aber bis 1926 Stadtverordneter im Bürgerausschuss und versah weiter die ehrenamtlichen Aufgaben des Waisenrats, des Mitglieds in der Armen-kommission und des Vorsitzenden des Ortsgerichts, die er seit 1894 ausführte.

Als Vogler, der allen Kindern ins Grab sehen musste, am 27. Oktober 1933 im Alter von fast 87 Jahren starb, verlor Weinheim einen Mitbürger, der seiner Heimatstadt 42 Jahre lang gedient hatte. Sein letztes Ehrenamt war die Tätigkeit des öffentlichen Schützers.

Oberbürgermeister Huegel bezeichnete den verstorbenen Ehrenbürger in seiner Grabrede als „Repräsentanten des guten alten Weinheimer Bürgertums”. Vogler erfuhr aus allen Schichten der Bevölkerung Achtung und Anerkennung, es gab mit ihm, der für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) im Gemeinderat saß, keine parteipolitischen Auseinanderset-zungen, weil ihm das Wohl der Stadt über allem stand. „Er war ein Volksmann im besten Sinn des Wortes”, sagte Huegel am offenen Grab, über dem sich die Fahnen des von Vogler mitgegründeten Kriegervereins 1872 Weinheim und des Männergesangvereins „Eintracht” senkten, während die von Vogler sehr geförderte Stadt- und Feuerwehrkapelle unter Musikmeister Peter Hesse das Lied vom guten Kameraden spielte.

Das Ehrenbürger-Viertel

Als nach dem Ersten Weltkrieg die Stadterweiterungspläne von Karl Karcher im Neubaugebiet Prankel verwirklicht wurden, gab der Gemeinderat den neuen Straßenzügen die Namen von Ehrenbürgern. Die wichtigste Straße, die Bergstraße und Prankelstraße verbindet, heißt seitdem Friedrich-Vogler-Straße. Die übrigen Prankelstraßen sind nach Dr. Adam Karrillon, Aute Bode und Erhard Bissinger benannt. Bereits 1925 wurde aus der Hermann-Freudenberg-Straße die Freudenbergstraße, die heute auch an den Vater Carl Johann und die Söhne des Geheimen Kommerzienrats Hermann Ernst Freudenberg erinnern, an Richard und Hans, und an seinen Enkel Dieter, denen allesamt die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde. Im Ehrenbürger-Viertel kam 1928 die Wienkoopstraße dazu und 1934 wurde aus der Gartenstraße die Walter-Köhler-Straße, die mit der Entnazifizierung der Ehrenbürgerliste 1945 wieder ihren alten Namen erhielt, ihn aber nach der Gemeindereform an die Sulzbacher Gartenstraße verlor und seit 1972 Schlossgartenstraße heißt. Bei der großen Umbenennungsaktion musste damals auch die Jahnstraße ihren Namen an Hohensachsen abgeben. Sie trägt seitdem den Namen von Ehrenbürger Wilhelm Brück. (2022)

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