Erinnerungen an Hessinger

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G. Hessinger: Im Wirtschaftsraum Weinheim war dieser Schriftzug jahrzehntelang wohl bekannt.

von Heinz Keller

Alle Beiträge in diesem Zeitungsarchiv sind erstmals in den Weinheimer Nachrichten erschienen. Die Veröffentlichung auf der Internetseite des Weinheimer Museums erfolgt mit der Zustimmung der DiesbachMedien GmbH.

Am 31. Juli 2024 schloss das Mannheimer Traditionshaus Weczera seine Weinheimer Niederlassung in der Fußgängerzone. Seit 1969 trug das Fachgeschäft für Mode-Wäsche zur Anziehungskraft der Einkaufsstadt Weinheim bei: in der guten Tradition des Vorgängerhauses Hessinger, das bis heute unvergessen ist. Es gehört zur Stadtgeschichte und ist ein wichtiger Teil der Geschichte des Weinheimer Einzelhandels, der vor allem mit seinen Fachgeschäften in der heutigen Fußgängerzone Käufer aus dem Weinheimer Umland an der Bergstraße und im Odenwald anzog. Ein Einkaufsbummel in Weinheim, vor allem in der Vorweihnachtszeit, gehörte im letzten Jahrhundert zu den besonderen Tagen für Groß und Klein in den Nachbargemeinden, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg dann selbst ei vielfältiges lokales Angebot schufen.

Viele Fachgeschäfte, die einst die Anziehungskraft der Weinheimer Innenstadt ausmachten, gibt es nicht mehr. Aber die Erinnerung an Birkenmeier, Jacob und Delert, Zeumer, Stürzenacker, Nicolai, Rohr und Jochim, an Nordsee, Kaisers Kaffee und Hussel, Heeger, August Wagner und Zehender lebt in den alten Weinheimern.

G. Hessinger gehört dazu, denn 77 Jahre lang, von der Gründung 1892 bis zum Übergang an Weczera 1969, stand das Fachgeschäft in der Mitte der heutigen Fußgängerzone für das Besondere in der Vielfalt des Angebots in der Einkaufsstadt Weinheim. Gertrud Hessinger hatte das Fachgeschäft für Strickwaren, Wäsche, Wolle, Babyausstattung, Bademoden und Miederwaren am 1. April 1892 gegründet und sich einen großen Kundenkreis geschaffen. Hoch geachtet starb sie 1927 und hinterließ ihrer Nichte Katharina Slowikowski ein weit über Weinheim hinaus bekanntes Spezialgeschäft, das von gesundem Kaufmannsgeist geprägt war. Nach der Währungsreform 1948 wurde in Weinheim nach dem Geschäft mit der freundlichsten Bedienung gefragt. Ein starkes Kundenvortum führte zu dem Urteil des Prüfungsausschusses, dass Hessinger zu den kundenfreundlichsten Geschäften des Wettbewerbs zähle. Vor diesem Hintergrund wurden die Geschäftsräume erweitert und die erfolgreiche Geschäftsfrau Kathi Slowikowski erhielt in den 1950-er Jahren Unterstützung von ihrem Ehemann Alexander Slowikowski, einem gelernten Industriekaufmann, und ihrer Tochter Ursula Scheppa. 1962 wurde das 70-jährige Geschäftsbestehen gefeiert, während der Freizeitpartner der Slowikowskis, die TSG 1862 Weinheim, ihren 100. Geburtstag feierte. In der Leichtathletik-Abteilung und im Mutter-und-Kind-Turnen des Gründervereins TV 1862 waren Kathi und Alexander Slowikowski stark engagiert.

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