Südweststaat: Richard Freudenberg hatte maßgeblichen Anteil an der Neugliederung

von Heinz Keller
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„Wenn der Südweststaat die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt hat und sich immer stärker im Bewusstsein der Bevölkerung festsetzt, dann hat Richard Freudenberg an dieser für die Neugliederung des Bundesgebiets beispielhaften und weitreichenden geschichtlichen Tat maßgeblichen Anteil”, hat Dr. Gebhard Müller, Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern, später Ministerpräsident von Baden-Württemberg und anschließend, von 1959 bis 1971, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, seinem Mitstreiter in der Südweststaat-Frage einmal attestiert.
Für Richard Freudenberg gab es damals nur eine Wahl: Südweststaat. „Eine Trennung der Verwaltung von Baden und Württemberg würde für uns in Baden bedeuten, dass wir den kulturellen und sozialen Verpflichtungen nur nachkommen könnten, wenn wir dauernd die Hilfe des Bundes in Anspruch nähmen”, schrieb er im September 1951 in einem Wahlaufruf und verwies dabei nachdrücklich auf die einst so starke nordbadische Wirtschaft, die von den Kriegsschäden besonders stark getroffen wurde und nicht mehr in der Lage sei, die Verwaltungskosten des ganzen Landes zu tragen.
Kompetenter Kenner
Im ersten Deutschen Bundestag galt der parteilose Abgeordnete Freudenberg als einer der kompetentesten Kenner der Neugliederungsfrage. Als Hospitant der FDP-Bundestagsfraktion gehörte er dem wichtigen Ausschuss für innergebietliche Neuordnung an und nutzte seine Einflussmöglichkeiten als Fraktionssprecher. In Zusammenarbeit mit Professor Carlo Schmid (SPD) verhinderte Freudenberg den Versuch der Bundesregierung, die Volksabstimmung auszusetzen. Sie fand am 9. Dezember 1951 statt und hatte das von Freudenberg erhoffte Ergebnis.
Auch im Abstimmungskampf von 1970 war Richard Freudenberg aktiv und, neben Ministerpräsident Kurt Georg Filbinger (CDU) und dessen Stellvertreter Walter Krause (SPD), einer der Redner bei der großen Abschluss-Kundgebung im Mannheimer Rosengarten, die mit einem Auftritt von Udo Jürgens endete. Er sei nicht so jung und nicht so charmant wie Udo Jürgens und könne auch nicht so gut singen, sagte der damals 78-Jährige und erzählte den über 1.000 meist jungen Zuhörern, dass er in den 1920-er Jahren als junger badischer Landtagsabgeordneter mit dem damaligen Reichsau0ßenminister Walter Rathenau über ein vereinigtes Europa und über ein starkes Land im Südwesten Deutschlands gesprochen habe. Ihre damals unerfüllbaren Träume seien nach dem Zweiten Weltkrieg Wirklichkeit geworden. „Der 7. Juni (der Tag der zweiten Volksabstimmung. Die Red.) sollte für das gesamte Bundesgebiet ein Zeichen dafür setzen, dass unser Volk größere Verwaltungseinheiten als Kultur- und Wirtschaftseinheiten will”, mahnte Freudenberg zum Urnengang.
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