Südweststaat: Weinheim und die Neugliederungs-Frage
von Heinz Keller
Alle Beiträge in diesem Zeitungsarchiv sind erstmals in den Weinheimer Nachrichten erschienen. Die Veröffentlichung auf der Internetseite des Weinheimer Museums erfolgt mit der Zustimmung der DiesbachMedien GmbH.
Die Stadt Weinheim ist nicht nur durch Richard Freudenberg mit der Neugliederungs-Frage verbunden. Von Bedeutung war 1950 auch die Weinheimer Tagung des Instituts zur Förderung öffentlicher Angelegenheiten, auf der grundsätzliche Überlegungen („Leitsätze“) zu einer optimalen Gebietsstruktur diskutiert wurden. Vom 14. Bis 16. Dezember 1951 nahmen auf Einladung der American High Comission nahezu alle führenden Meinungs- und Marktforscher an einem Treffen in Weinheim teil. Unter den 129 Teilnehmern waren Theodor Adorno, Elisabeth Noelle-Neumann und Ludwig von Friedeburg.
1954 tagte der Sachverständigen-Ausschuss für die Neugliederung des Bundesgebiets im Weinheimer Schloss. Er war 1952 von der Bundesregierung eingesetzt worden und arbeitete mit 44 Experten unter dem Vorsitz des ehemaligen Reichskanzlers Dr. Hans Luther. Deshalb wurde der Ausschuss auch Luther-Ausschuss genannt. In Weinheim wollte der Ausschuss erfahren, was die Zusammenarbeit an der badisch-hessischen Grenze belastet und ob die Probleme durch eine Neugliederung gelöst werden könnten. Die abschließende Frage Dr. Luthers an die Gesprächsteilnehmer, wie die Landesgrenze verlaufen sollte, beantwortete der Mannheimer Landrat Dr. Valentin Gaa mit einer Linie Lampertheim-Viernheim-Weschnitztal (bis Mörlenbach) und Gorxheimer Tal. Richard Freudenberg war für einee Linie von Lampertheim über Laudenbach nach Fürth, weil über 70 Prozent der hier wohnenden Menschen mit dem nordbadischen Wirtschaftsgebiet verbunden seien und sich bereits 1948 bei einer Volksbefragung klar für den Anschluss an Weinheim und Mannheim ausgesprochen hätten.
Die Lösungsvorschläge des Luther-Ausschusses wurden von der Politik als nicht dringlich zu den Akten gelegt. Auch im Rhein-Neckar-Raum steht heute eine Veränderung der Landesgrenze nicht mehr zur Diskussion.
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