Der einzige jüdische SPD-Stadtrat

Umstrittener Reifenhandel im „Schwarzen Adler”

Sally Neu in Brasilien
In Brasilien fand Sally Neu eine neue Heimat. Bild: Stadtarchiv

von Heinz Keller

Alle Beiträge in diesem Zeitungsarchiv sind erstmals in den Weinheimer Nachrichten erschienen. Die Veröffentlichung auf der Internetseite des Weinheimer Museums erfolgt mit der Zustimmung der DiesbachMedien GmbH.

Sally (Samuel) Neu (1882-1961)entstammte einer Familie, die seit Generationen in Weinheim ansässig und im Leder- und Häutehandel tätig war. Louis Neu (1846-1921) und Sara Neu (1854-1912), die Eltern von Sally, wohnten zunächst in der unteren Hauptstraße beim heutigen Standort des Rodensteiner-Brunnens, später im Haus Schulstraße 8, gegenüber der Pestalozzischule. Hier wuchsen auch die Kinder Hilda (Jahrgang 1913), Ellen (1914) und Erwin (1919) heran. Ellen Wiener-Neu 1979 und Erwin Neu 1991 nahmen an den beiden Heimattreffen ehemaliger jüdischer Mitbürger teil.

Zusammen mit seinem Bruder Max übernahm Sally Neu das Leder- und Häutegeschäft seines Vaters Louis Neu und das Lager gegenüber dem Schlachthof (heute städtischer Bauhof) an der Viernheimer Straße. Neu war Kriegsteilnehmer am Ersten Weltkrieg und betätigte sich nach Kriegsende politisch in der SPD. Von 1919 bis 1922 gehörte er dem Bürgerausschuss an, am 1. April 1922 wurde er Mitglied des Gemeinderats, als Nachrücker für einen aus-geschiedenen SPD-Gemeinderat. Das Nachrücken von Neu löste einen Brief der deutsch-nationalen Gemeinderäte Zinkgräf und Pfrang an Bürgermeister Huegel aus. Darüber an anderer Stelle mehr.

Bei den Kommunalwahlen im November 1922 kandidierte Sally Neu erneut, allerdings auf dem aussichtslosen Platz 46 der SPD-Liste für die Wahl der Stadtverordneten. Neu zog sich danach aus der Kommunalpolitik zurück. 1937 wechselte 1937 seinen Wohnort und zog mit seiner Frau Olga, geborene May, nach Frankfurt. Noch im gleichen Jahr emigrierten die Neu’s nach Uruguay, weil schon 1937/38 eine Reihe von Fluchtzielländern ihre Grenzen für Juden geschlossen hatten. . Sally und Olga Neu konnten weder ihrer Tochter Hilda nach Südafrika, noch ihrer Tochter Ellen und ihrem Sohn Erwin nach Brasilien folgen. Deshalb Uruguay. Erst spät fand die Familie im brasilianischen Porto Allegre, der Haupt-stadt des Bundesstaates Rio Grande do Sul, wieder zusammen. Von hier aus pflegte Sally Neu nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs einen lebhaften Briefwechsel mit Simon Wiesenthal und dessen Dokumentationszentrum des Bundes Jüdischer Verfolgter. Sally Neu starb 1961, Olga Neu 1966.

Ihr Sohn Erwin nahm 1991 zusammen mit seiner Tochter Anneliese am 2. Weinheimer Heimattreffen ehemaliger jüdischer Mitbürger teil und berichtete in einer lebendig-bedrückenden Gesprächsrunde im Werner-Heisenberg-Gymnasium interessierten Schülern aus seinem bewegten Leben. Es endete 2007, als Erwin Neu den Folgen eines schweren Verkehrsunfalls erlag. Er war 88 Jahre alt. Erwin Neu lebte in brasilianischen Universitäts- du Bischofsstadt Florianopolis, der Hauptstadt des Bundesstaates Santa Catarina.

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