Gäste im Schloss: Von Balzac bis Truman
von Heinz Keller
Alle Beiträge in diesem Zeitungsarchiv sind erstmals in den Weinheimer Nachrichten erschienen. Die Veröffentlichung auf der Internetseite des Weinheimer Museums erfolgt mit der Zustimmung der DiesbachMedien GmbH.
Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz, der spätere „Winterkönig”, und seine junge Frau Elizabeth Stuart, die englische Königstochter und Enkelin von Maria Stuart, 1619 auf der Heimreise von der Brautwerbung nach Heidelberg. Auch ihr Sohn Karl I. Ludwig und ihre Schwiegertochter, Charlotte von Hessen-Kassel, machten 1650 vor dem festlichen Einzug in die Heidelberger Residenz in Weinheim nochmals Pause.
Im März 1621 trafen sich in Weinheim Landgraf Ludwig von Hessen, der Herzog von Württemberg und Markgraf Joachim Friedrich von Baden-Durlach, um im Dreißigjährigen Krieg zwischen der protestantischen Union und der katholischen Liga zu vermitteln – leider ohne Ergebnis.
Kurfürst Karl I. Ludwig übernachtete im August 1658 auf dem Weg zur Frankfurter Wahl des Habsburger Kaisers Leopold I. im Weinheimer Schloss. 1660 kamen Karls Schwester Sophie von Braunschweig-Hannover und seine Tochter Elisabeth Charlotte, die Liselotte von der Pfalz und spätere Herzogin von Orleans, nach Weinheim.
Zweimal fürstlichen Besuch brachte das Jahr 1671. Im Frühjahr kam Kurfürst Karl Ludwig mit Kurprinz Karl und einem Gefolge von 200 Personen und 255 Pferden, im Herbst hielt sich die Braut des Kurprinzen, die dänische Königstochter Wilhelmine Ernestine mit Gefolge im Schloss auf, um von Weinheim aus festlich nach Heidelberg eingeholt zu werden. Dazu kam der Kurfürst seiner Schwiegertochter bis Weinheim entgegen.
Honoré de Balzac weilte im Frühjahr 1835 im Weinheimer Schloss und schrieb beim Warten auf Lady Jane im Schlosspark das Schlusskapitel zu seinem Roman „Louis Lambert“. Daran erinnert der Sandsteintisch unter den Platanen im südwestlichen Parkbereich. Leider ist die Inschrift unleserlich.
Stéphanie de Beauharnais, Adoptivtochter von Napoleon Bonaparte und Witwe von Großherzog Karl von Baden, kam von ihrem Witwensitz, dem Mannheimer Schloss, öfter nach Weinheim zu den Gesellschaften der Gräfin Waldner von Freundstein.
Sigismond Guillaume de Berckheim, Bruder des Exotenwald-Schöpfers und Schlossturm-Erbauers Christian von Berckheim, war ein französischer General und geriet im deutsch-französischen Krieg 1870/71 in deutsche Gefangenschaft. Er durfte sie im Weinheimer Schloss seiner Mutter Auguste Gräfin Waldner von Freundstein und seines Bruders Christian von Berckheim verbringen. An seinem Geburtstag wurde alljährlich die Trikolore am Weinheimer Schloss aufgezogen.
Großherzog Friedrich I. von Baden und seine Gattin, Großherzogin Luise, waren gern gesehene Gäste im Schloss der Berckheims, die Hofämter in Karlsruhe bekleideten. Am 7. Mai 1895 weilte die einzige Tochter des deutschen Kaisers Wilhelm I., im Schloss zum Frühstück mit Adolfine und Sigismund von Berckheim.
Franz von Papen, 1932 Reichskanzler, 1933/34 Vizekanzler im Kabinett Hitler, war im Mai 1934 einer der letzten Berckheim-Gäste im Schloss.
Harry S. Truman, 33. Präsident der Vereinigten Staaten, kam am 26. Juli 1945 nach Weinheim, begleitet vom Oberbefehlshaber der alliierten Besatzungstruppen in Deutschland, General Dwight D. Eisenhower, und Außenminister James F. Byrnes. Trumans Besuch galt seinem Vetter Oberst Louis Truman, Stabschef der 84. US-Infanteriedivision, die in der Villa Berckheim an der Friedrichstraße ihr Hauptquartier hatte.