Der Jahnplatz, ihr Spielplatz, wurde ihnen zum frühen Grab

Splittergraben bei der Friedrichschule

Blick in die Anlage
Der 1944 im Hang unter der Friedrichschule angelegte Luftschutzraum wurde nach Kriegsende entmüllt und wierhergerichtet. Heute ist die Anlage ungenutzt. Bild: WN-Archiv/Kopetzly

von Heinz Keller

Alle Beiträge in diesem Zeitungsarchiv sind erstmals in den Weinheimer Nachrichten erschienen. Die Veröffentlichung auf der Internetseite des Weinheimer Museums erfolgt mit der Zustimmung der DiesbachMedien GmbH.

In den 105 Jahren ihres Bestehens war die Friedrichschule immer auch ein Spiegelbild des Zeitgeschehens. In den beiden ersten Jahren nach ihrer Einweihung stand sie im Winter leer, weil ihre Schüler in der Pestalozzi- und der Diesterwegschule untergebracht waren, um Heizmaterial zu sparen.

Im Zweiten Weltkrieg galten auch ihr Maßnahmen des Luftschutzes: 1943 wurde der Luftschutzkeller unter der Turnhalle ausgebaut, 1944 entstanden im Hang entlang der Bergstraße auf 110 m Länge Deckungs- oder Splittergräben mit 200 Schutzplätzen – die alte Luftschutzanlage wurde 1964 von dem inzwischen hier abgelegten Müll befreit und e von der Freiwilligen Feuerwehr in den 1970-er Jahren für Atemschutzübungen genutzt – und im oberen Schulhof ein Teich als Löschwasserreserve für die Nordstadt. Auch die Friedrichschule wurde Lazarett: zunächst für verwundete deutsche Soldaten, später für kranke Amerikaner und ehemalige Zwangs-arbeiter, die sogenannten Displaced Persons (DPs).

Der Nachkriegs-Neustart des Schulwesens machte die Friedrichschule zum Ausweichquartier für Realgymnasium, Handelsschule und Gewerbeschule, Heimat wurden sie dagegen für die ersten Schüler des Mittelschulzuges, aus dem sich die Friedrich-Realschule entwickelte. Der Erweiterungsbau, 1978 eingeweiht, führte nach dem Provisorium Bismarckstraße endlich alle Realschüler im eigenen Haus zusammen, ein Gymnastikraum entlastete die 1964 modernisierte und um Nebenräume erweiterte Turnhalle etwas und den ersten eigenen Sportplatz konnte man 1989 am Rottenstein seiner Bestimmung übergeben.

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